Dienstag, 12. Juni 2018

Neuanfang

Manchmal klingt es so einfach: Mach doch wieder das, was du die letzten Jahre nicht tun konntest. Einfacher gesagt, als getan.
Ich kann wieder frei - mehr oder weniger - über meine Zeit verfügen. Seit dem 1. Juni. Doch ich fühle mich überflüssig. Habe zu viel Zeit, obwohl ich sehr viel zu tun habe. Trotzdem fehlt mir die tägliche Fahrt, die ich vier Jahre lang tagein, tagaus vor mir hatte. Manchmal war es mir schon fast zu viel, doch dann ... Ja dann wusste ich: Du willst dahin, hast ein Versprechen gegeben. Ich wollte meine Liebstes nicht allein lassen. Und jetzt ... Alles vorbei...
Trauer, Selbstzweifel, nicht doch genug gekämpft zu haben, plagen mich. Verzweiflung macht sich breit, auch wenn meine Familie mir sagt, dass ich mehr als genug getan habe. Für mich ist das nicht genug. Am Freitag nehme ich meine Mama wieder mit nach Hause. Ich habe sie dem Papa aus den Händen gerissen, da es keinen vernünftigen Pflegeplatz zu Hause gab. Also bin ich es auch, die Mamilein wieder nach Hause bringt, dahin wo sie hingehört.
"Ich kann nicht mehr schlafen", diese Worte sind mein Leben seit über einer Woche. Ich rieche sie, ich spüre ihre Hände beim Gehen und die Kälte beim Abschiednehmen. Nichts ist mehr wie es war. Alles ist mit einem Mal anders.
Am meisten aber nerven mich die tröstenden Worte aller. Das, was sie mir sagen, weiß ich alles selbst.
Also auf Neuanfang. Garten, Nähen, Lesen, Stricken, Sticken. Mal sehen, ob das hilft.

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